Dekadentes Artefakt* oder: Hagestolz, weiblich

Ende eines Jahresabos

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Vor etwas mehr als einem Jahr bekamen auch wir endlich einen DSL-Zugang mit den unbegrenzten Möglichkeiten, die einem das Internet so bietet, wenn es 24/7 ununterbrochen aus der Dose kommt. So schnell wie möglich mußte nun auch ein kleiner, schicker MP3-Player her, auf dem dann eine Auswahl meiner liebsten Musikstückchen umhertransportiert werden sollte (die ich natürlich nirgends herunterladen wollte, sondern aus meiner legal erworbenen CD-Sammlung stammten, Podcasts kannte ich damals noch nicht).
Als ein unschlagbares Angebot erwies sich ein Ein-Jahres-Test-Abo der Firma A*dible, die mir für 12 Monate versprach, mir für nur 14,95 € im Monat einen hübschen Ipod-Mini und monatl. 2 Hörspieltitel zur Verfügung zu stellen. Da sagte ich nicht nein und meldete mich umgehend an. Nun lud ich mir die ersten beiden Hörspiele herunter und bekam beim ersten Hören schon eine Gänsehaut, denn am Anfang jeden Hörspiels begrüßt einen die Stimme von Tom Hanks (uargh!) und blökt einem ins Ohr, daß dieses Hörbuch nun von A*dible präsentiert wird. Nach drei Monaten war mein Interesse an den angebotenen Titeln schon recht erlahmt, alles was mich interessierte, hatte ich schon, zwei Monate lang vergaß ich sogar, daß ich dort meine zwei Hörspiele runterladen müßte, das Geld wurde meinem Kreditkartenkonto trotzdem in Rechnung gestellt.
Nun ist ein Jahr rum, ich habe fristgemäß meine Kündigungsemail geschrieben und sogleich, nach der standardisierten Bestätigungsmail, eine Reaktion darauf bekommen.
So schreibt ein freundlicher Mitarbeiter, dessen Name komischerweise, bis auf die letzten beiden Buchstaben, genauderselbe wie der von Tom Hanks ist, folgendes:

"Sicher verstehen, dass wir Sie nur sehr ungern so ganz als Kunden verlieren wollen. Bitte erlauben Sie die Anmerkung, dass sich Ihr Jahresabo bei Nichtkündigung NICHT automatisch um ein ganzes Jahr verlängert. Daraus wird ein monatlich kündbares Abo." (Ja, sogar das Sie im ersten Satz hat er vor Aufregung ganz vergessen!)

"Ich kann Ihnen aber auch wieder einen modernen mp3-Player anbieten, wenn Sie sich ein weiteres Mal für ein Jahresabo entscheiden würden. Aber auch andere Maßnahmen sind denkbar." (Maßnahmen... Also wenn ich mit Maßnahmen anfange, dann aber holla!)

"Darf ich mit einer kurzen Reaktion Ihrerseits rechnen, damit ich weiß wie wir weiter verfahren? Schreiben Sie mir doch bitte einfach in ein paar Worten, was ich genau tun kann, um Sie als zufriedenen A*dible-Kunden behalten zu dürfen. Irgendetwas. Ich denke wir Beide finden gemeinsam etwas, womit ich Sie glücklich machen kann." Naja und da bin ich dann beinahe vom Stuhl gefallen. Glücklich machen will mich der Bursche also??? Hat er sich scheinbar nicht gut überlegt, mit wem er es hier zu tun hat. Auf jeden Fall macht mich eine unendliche Brieffreundschaft, wie sie wohl demnächst auf mich zukommen wird, schon mal überhaupt nicht glücklich. Ich glaube, ich verbiete denen gleich, mir jemals noch einmal eine Email zu schreiben. Meine Güte, ich wußte nicht, daß solche Emails sooo verzweifelt klingen können.)

"Wenn Sie die Kündigung trotzdem wünschen, kommen wir diesem Wunsch selbstverständlich nach." (Das ist aber nett von Ihnen, Herr Hanks.)

Da bekommt man das Gefühl, man müßte sich für sein Konsumverhalten auch noch entschuldigen. Sicher, sie könnten kulanter sein, wenn man mal einen Monat vergißt, sich seine "Ware" abzuholen, aber das war mir jetzt doch zu müßig in meine Anwort zu schreiben. Mal sehen, wann ich das nächste Mal von denen wieder was höre.


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