Dekadentes Artefakt* oder: Hagestolz, weiblich

Einträge "vergangenheitsbewältigung":

Mittwoch, 28. Juni 2006

Milieustudien

Gefreut über den Artikel auf Spiegel-Online. Da war doch mal was!? Ach ja, Studium. Nachdem ich deutlich verwirrt aus Seminaren über die Soziologie der materiellen Kultur u. ä. von Prof. Beckenbach u. Prof. Weiß kam, haben mich die Studien über die Sozialmilieus bei versch. Lehrbeauftragten dann doch gepackt und mich von der Sinnhaftigkeit des "das jetzt mal durchziehen" überzeugt. Weil man dann hinterher ja im Besitz ist von jeder Menge tollem Kapital wie z.B. dem kulturellen, dem symbolischen oder dem sozialen Kapital. (Dem ökonomischen leider nicht so sehr, aber dafür kann man hinterher trotzdem lustig-klingende Lebensstile pflegen)
Habitus war damals einer meiner Lieblingsbegriffe, lag wahrscheinlich daran, daß ich recht schnell verstanden habe, um was es ging, da uns das ganze anschaulich mit Bratwurst und Fußballfans erklärt wurde.
Die Folien und das "Hand-Out" für das entsprechende Referat damals habe ich sogar noch. Das war tatsächlich eines meiner ersten (SS 97). Dann werde ich doch gleich mal einen Vergleich damals-heute anstellen.


Freitag, 16. Juni 2006

Erbgut


Die Lok in der Mitte auf dem Holzklotz gab es für das 25. Jährige Firmenjubiläum. Für einen Eisenbahnliebhaber wie meinen Vater war das wohl ein tolleres Geschenk als eine Armbanduhr oder was es sonst so gibt zu solchen Anlässen. Die Zugehörigkeit zu einer Firma ist für Menschen seiner Generation wirklich noch etwas sehr bedeutsames. Das ging in seinem Fall soweit, daß er im Werkschor mitsingt und nun auch im gleichnamigen Museum ehrenamtlich Führungen für Besucher macht. Dabei besteht die Firma unter dem alten Namen schon seit einigen Jahren nicht mehr, die Aktiengesellschaft die die Reste gekauft hat, hat dem Chor vor kurzem die überaus geringe finanzielle Unterstützung gestrichen, die Finanzierung des Museums übernimmt zu großen Teilen die Stadt.

Sonntag, 21. Mai 2006

Henkelmänner

Eßbares gehört schon lange zu den von mir bevorzugten Dingen auf diesem Planeten. So kommt es denn auch vor, daß ich mich sogar im Internet auf die Suche nach eben diesem begebe. Und bin auf den Foodfreak gestoßen. Dort wird u.a. jede Lieferung der Gemüsekiste vom Ökohof vorgestellt und mitgeteilt, was denn aus dem Inhalt gemacht wurde, toll! Wir haben es ja nur einmal versucht, aber die ganze Rote Beete in der ersten Lieferung hat mir die Gemüsekiste doch erst einmal vergällt. Sollte man vielleicht noch mal versuchen u. die Rote Beete auf die rote Liste setzten. Das allergrößte sind jedoch die dort vorgestellten Mahlzeiten in der Bento-Box. Das will ich jetzt auch! Immer! Was müssen das für Spitzen-Mittagsmahlzeiten sein? Etwas mit so etwas:
 
Das gab es bei Cooking Cute am 3. Mai 06. Desweiteren läuft einem das Wasser im Munde zusammen, wenn man sich die ganzen Sachen bei Flickr anschaut. Da wird sogar mir Gemüse ganz sympathisch. Essen mit Gesichtern! Und das ist die ganze Zeit an mir vorbeigegangen. Dabei habe ich doch bei meinem letzten Heimataufenthalt schon sehr stark in die gleiche Richtung gedacht und von Muttern ein altes Küchenutensil abgestaubt:

Den guten, alten Henkelmann. Wobei ich mich eigentlich nur daran erinnern kann, daß das Essen darin eher von pampiger Konsistenz war. Meist irgendwelche Eintöpfe, die mein Papa dann im Garten wieder aufgewärmt hat. Sicherlich auch mit viel Liebe zubereitet aber optisch nicht wirklich die Bringer. Ich werde mich dann demnächst auch mal daran versuchen, auf Bilder braucht aber hier niemand zu hoffen. Ich denke, zu solche Meisterwerken wie oben gesehen, werde ich es wohl nicht bringen.


Donnerstag, 27. April 2006

Warum aufs Dorf ziehen wenn ich in Berlin wohnen kann oder warum die Ackerstraße in Mitte ein sicherer Ort ist

Es ging zusammen mit den Mädels in den Schokoladen, da spielte eine Band, deren Bassist der Quasi-Kollege der einen Freundin ist. Ich war mit dem Roller unterwegs, den ich lange zwei Wochen entbehrt hatte und nun an diesem warmen Tag jeden Meter mit ihm zurückgelegt hatte, warum also nicht auch noch abends? Bier schmeckt zur Zeit sowieso nicht. Ich parkte also auf der Straßenseite gegenüber, schön im hellen Licht eines Drogeriemarktes. Da ich ja so viel Angst um das Ding habe und mir der Laden aus England die Email schickte, daß sie das tolle Schloß gerade nicht auf Lager haben und ich es in 4-6 Wochen noch einmal versuchen sollte. Da ich unter dem Sitz und in der Klappe unter dem Lenker so unglaublich viel Stauraum habe und erwatungsgemäßer Temperaturen über 30 Grad im Etablissement gegenüber, ließ ich meine Jacke und meinen Schal dort, um das Zeug nicht die ganze Zeit mit mir herumtragen zu müssen. Den ersten Künstler des Abends ließen wir aus und saßen draußen rum, um von einem der ersten warmen Abende des Jahres bloß nichts zu verpassen. Dann schauten wir uns die Band an, deretwegen wir gekommen waren, die konnte mich aber leider gar nicht begeistern. Nach dem Auftritt saßen wir noch ein bißchen rum und waren freudig überrascht, daß noch eine Sängerin auftrat, die mit lauter Akustikgitarre und kräftiger Stimme schöne Lieder sang und sich vom Publikum Geschichten über Leute in Beziehungen erbat, die schon fast am Ende sind und sich nur noch so dahinschleppen, weil sich daraus so schöne Lieder machen ließen. Während der netten Musik guckte ich versonnen in der Gegend herum und war plötzlich erstaunt ob des bekannten Gesichts am Eingang.

Exkurs: Meine beste Freundin und ich haben früher mal gerudert. Also ich habe gerudert u. sie gesteuert, insgesamt waren wir zu fünft im Boot. Hier soll es aber nur um sie und mich gehen. Gerne sind wir auf die Schülerregatten im Herbst (wir waren damals 14 Jahre alt) nach Hannover gefahren. Wir haben dort immer gewonnen und in der freien Zeit konnte man toll zwischen den Stegen rumhängen und Traubenzucker-Täfelchen essen, die in übertriebener Menge keineswegs mehr fit machten, sondern nur noch schläfrig. Im besten Fall war im benachbarten Niedersachsenstadion noch Fußball-Europameisterschaft oder Michael Jackson spielte auf und es war richtig was los an der Leine. Anläßlich einer solchen Regatta sind wir 1989 dem O. begegnet. Wir waren 14 und er ein, zwei Jahre älter. Rein outfittechnisch passten die wilden Mädels aus der nordhessischen Beinahe-Provinz zu dem Typen aus Berlin, er u.a. mit ebenfalls abstehenden Haaren. Wir lungerten also gemeinsam zwischen den Hängern und Booten herum, ärgerten uns darüber, dass unsere Gruppe am Abend nichts mit den Berlinern unternehmen wollte und ertrügen die Lästereien der anderen Mädels, die ja doch nur neidisch waren. So ein Ruderwochenende ist kurz und so ging es am Sonntagnachmittag zurück in die Heimat. Vorher tauschten die beste Freundin und der Berliner Jung' noch Adressen und das Versprechen des gegenseitigen Briefeschreibens aus. Die beiden hielten regelmäßigen Kontakt, was vor allem daran lag, das meine Freundin etwas engagierter schrieb. Da wir später unbedingt einmal nach Berlin ziehen wollten, konnte so ein Kontakt ja nicht schaden. Als der O. im nächsten Sommer ein Trainigslager in der Nähe unserer Heimatstatt hatte, besuchte er uns einen Nachmittag und wir hatten jede Menge Spaß ihm in unserer kleinen Fußgängerzone unsere Lieblingsplätze zu zeigen, an denen wir zunehmend unsere Nachmittage mit den dort ansässigen schrägen Vögeln verbrachten. Über die Jahre hinweg brach der Kontakt nach Berlin nie wirklich ab. Gegenseitige Besuche folgten, die Abstände wurden jedoch immer größer. Der O. zog in Berlin immer mal wieder um und verlor dann scheinbar jedes Mal die Adresse (jedoch insgeheim nicht das Interesse an) meiner Freundin. Wir dachten in regelmäßigen Abständen immer mal wieder, was denn O. wohl gerade so mache und meine Freundin rief dann nach längeren Zeiten der Funkstille oft seinen Vater an und ließ sich seine neue Telefonnummer geben. Der letzte Besuch von O. bei meiner Freundin nahm dann ein eher schräges Ende. Es hat zwischen den beiden immer mal wieder gefunkt, aber so richtig bestimmt füreinander schienen sie dann doch nicht zu sein. Kurz vor diesem letzten Besuch hatte sich die Freundin frisch in einen anderen jungen Mann verliebt. Der Besuch des O. war da eher ungünstig und es gab wohl dramatische Szenen zwischen den beiden. Das gipfelte in der überstürzten Abreise von O. Die erstaunt zurückbleibenden Freunde von uns, die den O. mittlerweile auch alle kennengelernt hatten u. ihn alle gerne mochten, konnten diese Reaktion nicht so recht verstehen. Ich, und ich glaube auch meine Freundin, haben dann nichts mehr von O. gehört. Sieben oder acht Jahre ist das jetzt her. Aber immer mal wieder kamen wir auf ihn zu sprechen, so dann auch, als ich 2002 nach Berlin zog. Etwas später, als mit 14 Jahren geplant, aber besser als nie. Und ohne meine beste Freundin.

Und dann treffe ich den O. nach dieser langen Zeit doch hier tatsächlich wieder. Und spreche diesen blöden Satz, der einen echt auf die Couch bringen kann. "Bist du der O.? Ich bin die Sjule, die Freundin von der B." Ich dachte eigentlich, ich müsste das nicht mehr bringen, aber das ist jetzt eine andere Geschichte. Und dann sitzen wir wie selbstverständlich auf der Ackerstraße, weil die Welt ist schließlich ein Dorf und Berlin sowieso. Reden über das Rudern, zu kleine Wohnungen mit Partnern drin und Handwerk. Ich werde ihm dann demnächst mal die Kontaktdaten der Freundin zufunken, ich höre selbst kaum noch von ihr. Wie das oft so ist.

Als ich dann etwas später wieder auf meinen Roller steige, sehe ich, daß mein Taschentelefon die ganze Zeit auf meinem Gepäckträger lag. Das hatte ich aus der Jacke genommen, weil man die nur über den Kopf ausziehen kann und dann immer alle Sachen aus der Brusttasche fallen. Das lag da also komplette dreieinhalb Stunden im hellen Licht des Drogeriemarktes. Toll, die Ackerstraße ist ein wahrlich sicherer Ort, wenn man ein kleines, altes, hässliches Siemens S35 ist.

Sonntag, 16. April 2006

Zuckersüß

In diese Dom-Läden, die schon von außen durch ihre glitzernde Pailletten-Fassade auffallen und wo es eigentlich nur Sachen gibt, die Mensch überhaupt nicht braucht, gehe ich ja eigentlich nur wegen der Männer (siehe Überschrift). Am Samstag mußte ich mich aber noch zusätzlich für meinen Fußmarsch von zuhause in die Friedrichstr. belohnen und was gab es besseres als dieses hier:
 
Als großer Fan dieser phantastischen Figuren (nie werde ich vergessen, als sich Barbapapa in einen Bus verwandelte), konnte ich an dem kleinen Zuckerwattehügel nicht vorbeigehen. Die Bücher habe ich als kleines Kind im Bücherbus ausgeliehen und konnte mich gar nicht daran sattsehen. Vor zwei Jahren habe ich mir mal den Wecker gestellt, als RTL die alten Folgen am Sonntagmorgen um 8.45 Uhr ausgestrahlt hat, war aber ziemlich enttäuscht. Klar, Barbapapa verwandelte sich immer noch in tolle Sachen, aber die Thematik der Lieder, die dort gesungen wurden, waren ihrer Zeit nun gar nicht voraus.  Der Papa hat das Sagen, die Mama macht den Haushalt und die lieben Kinderlein sind immer ganz artig und geben keine Widerworte. Wie gut, daß ich damals noch nicht lesen konnte.
(Und darüber, das Barbapapa in Frankreich tatsächlich die Bezeichnung für Zuckerwatte ist, habe ich mich auf diesem kleinen, süßen Dorffest damals mit den Mädels schon wie toll gefreut!)